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Pressemitteilung

„Reden rettet Leben“

Schulklasse der Sir-William-Herschel-Mittelschule unterwegs mit „Drive for Life“

Erschienen am:

01.04.2026

  • Beschreibung
Beschreibung

Schulklasse steht vor dem Bus Mit dem Bus „Drive for life“ fuhr die Klasse 9 P der Sir-William-Herschel-Mittelschule zu verschiedenen Hilfestellen. Foto: Caritas / Peter Esser

Ein besonderer Tag in der Klasse 9 P an der Sir-William-Herschel-Mittelschule in Ingolstadt: Zu Besuch gekommen sind Regine Morich und Nicole Fichtner, Gründerinnen des Vereins Kulturbeutel - Netzwerk für psychische Gesundheit. Fichtner hat auch ihre 20-jährige Tochter Lena mitgebracht, die in Kürze Psychologie studieren will. Sie werden heute mit der Schulklasse zu drei Hilfestellen mit dem bekannten Bus "Drive for Life" fahren - einem Projekt, das auch von der Caritasstiftung Eichstätt finanziell unterstützt wurde. Zuvor geben alle Schülerinnen und Schüler ihr Handy bei Klassenleiterin Alexandra Frey ab. "Wisst ihr, was Suizid bedeutet?", fragt Morich, als die Jugendlichen auf ihren Plätzen sind. "Wenn jemand sich das Leben nimmt", weiß ein Junge.  Die Ehrenamtlichen von Kulturbeutel zeigen einen kurzen Film über Suizidprävention. Er lehrt die Kinder mit Schlagworten, was sie auch bei den Hilfestellen erfahren werden: ""Reden ist der erste Schritt", "Unausgesprochenes sichtbar machen", "Aus Tabu wird Gespräch" und "Reden rettet Leben" - so wie es auf dem Bus steht, in den sie später einsteigen. 

Zuerst sollen sie noch ein paar Fragen beantworten: "Was tut ihr, wenn Euch ein Freund erzählt, dass er überlegt, sich umzubringen und euch bittet, dies aber niemand zu sagen?" Die Meinungen in der Klasse sind geteilt. "Es gibt keinen Vertrauensbruch, wenn es um die Rettung eines Menschenlebens geht", macht ihnen Regine Morich unmissverständlich klar. Dann lernen die Schülerinnen und Schüler noch, dass sich - laut Morich - alle 53 Minuten in Deutschland ein Mensch das Leben nimmt und alle fünf Minuten jemand dies versucht. Schließlich notieren alle Fragen, die bei den Hilfestellen gestellt werden sollen.

Wie helfen und Hilfe erhalten?

Katrin Bottesch informiert eine GruppeKatrin Bottesch informierte über die Arbeit der Erziehungs- und Familienberatung Ingolstadt. Foto: Caritas / Peter Esser

"Wie kann ich helfen, wenn Leute ein psychisches Problem haben?" Der 17-jährige Art erhofft sich, diese Frage beantwortet zu bekommen. "Und wie kann ich selbst Hilfe erhalten", ergänzt der gleichaltrige Abdullah, als die Klasse im Bus "Drive for Life" auf dem Weg zur Erziehungs- und Familienberatung der Caritas und Diakonie ist. Dort empfangen sie die Psychologinnen Katrin Bottesch und Marion Ritter sowie die Verwaltungsangestellte Miriam Karg. Diese informieren, dass Klientinnen und Klienten normalerweise mit einer Wartezeit bis zu drei Monaten für einen Termin rechnen müssten, es bei jugendlichen Erstanmeldern aber schneller gehe. "Ihr könnt euch mit allen euren Problemen an uns wenden: ob ihr Probleme mit den Hausaufgaben habt, Streit in der Familie oder mit Freunden, eine Orientierung für den Beruf braucht oder Liebeskummer habt", erklärt Katrin Bottesch. Die Kontaktaufnahme könne aus Datenschutzgründen allerdings nicht per WhatsApp erfolgen, sondern nur per E-Mail oder telefonisch. "Wenn man sich anonym melden will oder nur mit dem Vornamen geht aber auch das", teilt Miriam Karg mit.   

Beeindruckt zeigen sich die Jungen und Mädchen vom Motorikraum, in dem Gruppenstunden stattfinden, zum Beispiel für Kinder psychisch kranker Eltern. Ob es etwas kostet, in die Einrichtung zu kommen, will eine Junge wissen. Katrin Bottesch beruhigt ihn, "dass dies nicht der Fall ist". Ob nicht besser ein Freund bei Problemen helfen solle als ein Therapeut, fragt ein Mädchen. Nicole Fichtner erklärt ihr, dass man zwischen Problemen und Krankheiten unterscheiden müsse. "Probleme wie Liebeskummer kann man hier besprechen, muss es aber nicht. Für Krankheiten wie eine Depression braucht es aber Fachkräfte."

"Ich finde es toll, dass man dort als Familie aufgefangen wird", meint der 16-jährige Mahaz, als er wieder im Bus sitzt. "Und wenn ich Liebeskummer habe, gehe ich dahin." Als Nächstes erfahren er und seine Klassenkameradinnen und -kameraden beim Verein Condrobs viel darüber, wie es ist, wenn legale und illegale Suchtmittel oder exzessiver Medienkonsum den Alltag junger Menschen bestimmen. Auf die Frage "Wie bekomme ich eine Handysucht", erklärt ihnen Sozialpädagogin Ramona Kienast, dass Apps auf dem Handy Glücksgefühle auslösen könnten, die süchtig machen können. Die Attraktion bei dieser Stelle für die Schulklasse ist ein Glücksrad, das man zu den Punkten "Hilfe", "Gras", "Alkohol" und "andere Drogen" drehen kann.  Der 17-jährige Oleh tut dies und landet bei "Alkohol". "Wann ist die Alkoholkonzentration am höchsten?", fragt daraufhin die Sozialpädagogin Jule Lambeck die Kinder. Ein Junge meint, zwei Stunden nach der Einnahme. Ein Mitschüler sagt dann richtig "bereits nach einer halben Stunde". "Wie viele 12- bis 17-jährigen Menschen in Deutschland haben schon einmal Cannabis konsumiert?", lautet eine weitere Frage. Mahaz schätzt gar 90 Prozent und schließt damit auf sein Umfeld. "Richtig ist zehn Prozent", informiert Ramona Kienast. 

Danach ist auf der Tour "Drive for Life" eine Pause. Während die Schülerinnen und Schüler einen kurzen Stadtbummel unternehmen, tauschen sich die Gründerinnen von Kulturbeutel, die Klassenlehrerin und die Schulsozialarbeiterin bei einem Kaffee aus. "Die Jugendlichen sind sehr aufgeschlossen", meint Nicole Fichtner. Die Schulsozialarbeiterin Karin Mann ist nicht ganz zufrieden: "Manche könnten sich schon etwas mehr trauen, Fragen zu stellen." Das geschieht bei der nächsten und letzten besuchten Hilfestelle Wirbelwind Ingolstadt, einer Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt. Von Präventionsfachkraft Alana Bark erfahren die Jugendlichen, dass dieser Verein Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hilft, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, auch Angehörigen und Fachkräften.  Auf die Frage, was sexualisierte Gewalt ist, beschreibt sie ein breites Spektrum, das weit über körperliche Gewalt hinausgeht. Auch wer gezwungen werde, einen Porno zu schauen oder bestimmte Schimpfwörter über sich ergehen lassen muss, sei betroffen von sexualisierter Gewalt, betont die Präventionsfachkraft. 

Keine Nacktfotos von sich machen

Auf die Frage, ob man ganz vertraulich mit ihr über schlimme Erlebnisse reden kann, verweist sie auf die Schweigepflicht. Diese dürfe nur in wenigen Ausnahmen nicht eingehalten werden, zum Beispiel bei Kindeswohlgefährdung. Eindringlich warnt Alana Bark die Schülerinnen und Schüler, von sich Nacktfotos zu machen und diese an andere zu verschicken. "Manche machen so etwas für ihre erste Liebe, in dem Glauben etwas Schönes zu verschicken. Wenn Fotos aber erst einmal im Internet sind, gehen sie dort nicht mehr weg und man hat ein ganz großes Problem", so die Mitarbeiterin von Wirbelwind. 

"Das Thema sexualisierte Gewalt hat mich besonders interessiert", meint die 14-jährige Ela auf dem Rückweg im Bus zur Schule.  Regine Morich vom Kulturbeutel erklärt: "Ich hoffe, dass niemand aus dieser Klasse Probleme bekommt, die heute besprochen wurden, aber falls das der Fall ist, wissen sie jetzt, wo sie Hilfe bekommen können."

Regine Morich erklärt etwas anhand von Zetteln an der Tafel, links Nicole FichtnerRegine Morich (rechts) und Nicole Fichtner werteten nach der Bustour das Erlebte mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam aus. Foto: Caritas / Peter Esser

Autor/in:

  • Peter Esser
Quelle: caritas-eichstaett.de
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