GEWALTPRÄVENTION

Faires Raufen

Raufende BubenFaires Raufen beugt Gewalt vor.Foto: Erziehungsberatungsstelle Nürnberg-Langwasser

Dabei wird jedoch Aggression und Gewalt scharf voneinander getrennt. Den Kindern soll ein sinnlich erfahrbarer Zugang zu den Regeln der Gewaltlosigkeit und des respektvollen, "fairen" Umgangs miteinander vermittelt werden. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter sind am besten über die sinnlich-erfahrbare Ebene zu erreichen, die unabhängig von Sprache und Kultur ist. Dazu bietet das Faire Raufen einen sicheren Rahmen, in welchem sie die erarbeiteten Regeln gut aufnehmen können. Im Laufe der Zeit lernen sie, diese auf Konfliktsituationen im Alltag übertragen.

Am Anfang stehen Absprachen mit dem Team der Kindertagesstätte und ein einführender Elternabend. Dann werden mit einer festen Kindergruppe über einen längeren Zeitraum regelmäßig sogenannte "Raufstunden" durchgeführt. Neben dem eigentlichen Raufen ist die Vor- und Nachbereitung mit den Kindern besonders wichtig.

Hier werden

  • Fähigkeiten und Stärken der Kinder,
  • Gruppenprozesse und
  • soziale Kompetenzen

thematisiert. Feste Rituale und Gruppenspiele runden die Raufstunde ab. Die Kinder lernen, sich selbst und die anderen besser einzuschätzen. Eigene Körper- und Sinneserfahrungen wie Kraft, Beweglichkeit, Reaktionsvermögen, Stimme und Haltung werden gezielt geschult. Das Faire Raufen wird als respektvolles, freundschaftliches Kräftemessen eingesetzt. Es dient jedoch nicht zum Aggressionsabbau an anderen Kindern. Die Umgangsregeln sind zudem gut für eine Übertragung in den Alltag geeignet.

Inzwischen wurde das Projekt in vielen Kindertagesstätten der näheren Region eingeführt. Eine ausführliche Evaluationsstudie bestätigt die positive Wirkung. Seitens der teilnehmenden Einrichtungen werden besonders

  • die praxisnahe Umsetzung,
  • die leichte Übertragbarkeit in den kindlichen Spielalltag und
  • die intensiven Erfahrungsmöglichkeiten

geschätzt und als sehr hilfreich rückgemeldet.

"Faires Raufen" braucht Regeln

Zum besseren Verständnis werden hier einige Regeln für "Faires Raufen" vorgestellt:

  • Rituale anwenden: zum Beispiel Verbeugen, Blickkontakt halten und die Hand geben.
  • Regeln und Grenzen beachten: kein Zwang zur Teilnahme; nur an Schultern, Armen, Händen, Beinen und Füßen fassen, nicht beißen, in den Bauch schlagen oder am T-Shirt des anderen ziehen.
  • Eigene Grenzen aufzeigen: Ein Kind kann zum Beispiel jederzeit anzeigen, das Raufen abbrechen zu wollen, wenn es nicht mehr kann oder will.
  • Gemeinsam Verantwortung tragen: Alle Kinder passen auf alle auf, vor allem darauf, dass niemand verletzt wird.
  • Stets Wertschätzung und Respekt dem anderen sowie sich selbst gegenüber zeigen: zum Beispiel durch Lob für Mut, Geschicklichkeit oder Fairness.